Ein äußerst informativer Abend: Die Ursachen der Flucht

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Im vollen Veranstaltungsaal des Buchcafé in Bad Hersfeld, referierte Werner Ruf, Professor für Internationale und intergesellschaftliche Beziehungen und Außenpolitik, zum Thema “ Ursachen der Flucht“ auf Einladung des Bündnisses “ bunt statt braun HEF‐ROF“ . Hierbei konzentrierte er sich auf die Analyse der Kriege im Irak und in Syrien, das vielfach verwobene Interessengeflecht der lokalen, regionalen und globalen Akteure.

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v.l.: Prof. Werner Ruf und Hartmut Thuleweit

Der Referent schlug einen weiten Bogen in die Geschichte der Region und wies auf Faktoren hin, die ursächlich für die heutigen Konflikte stehen. Da ist die Zerschlagung der multiethnischen und multireligiösen imperialen osmanischen Macht und ihre Ablösung durch die Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien nach dem 1. Weltkrieg. Diese teilten die Region, ungeachtet des Flickenteppichs, der vielen ethnischen und religiösen Gruppieren, unter sich auf und zogen willkürliche Grenzen auf dem Reißbrett. Bereits damals existierte das fundamentale Interesse an der Verfügung über die reichen Erdölvorkommen und deren Ausbeutung.

Eine entscheidende Eskalation der Gewalt, verursachte die Intervention der USA in den Golfkrieg und der Sturz des Saddam Hussein‐Regimes. Sämtliche Anhänger Saddam Husseins, mehrheitlich Sunniten, verloren Amt und Würden, zehntausende wanderten in die Gefängnisse. Die USA unterstützten ausschließlich die ausgesprochen korrupten Eliten des schiitischen Teils der Bevölkerung und schürten somit religiöse Konflikte.

Mit dem Entstehen des Konflikts in Syrien, des Befeuerns dieses Konfliktes durch die Regionalmächte, insbesondere durch Saudi Arabien, Katar, den Golfstaaten und der Türkei, welche alle verschiedene dschihadistische Milizen unterstützen und mit Waffen beliefern. Ebenso wie die USA und die EU. Unter dieser Parole des „Regime Changing“, entstand der Nährboden für den IS. Aus einem Bündnis von Al Keida ‐Kräften mit Teilen des Geheimdienstes und der Armee Saddam Husseins wurde dieses Monster geboren. Dieser IS war militärisch äußerst erfolgreich und schuf sich gewissermaßen ein Staatsgebiet in dem er „Das Kalifat“ ausrief.

Vertieft wird auf der anderen Seite der Krieg im Nahen Osten durch die Unterstützung Syriens seitens des Irans, der Hisbollah und Russlands und die Rolle der Kurden. Von großer Bedeutung ist für alle Akteure die strategische Lage von Syrien als potentielles Transitland von Erdöl ‐ und Erdgasleitungen, die den Anschluss an die großen Leitungssysteme in der Türkei zur Versorgung Europas
gewährleisten. Die Langwierigkeit und die Grausamkeit des Krieges und die sehr zugespitzte humanitäre Lage der Flüchtlinge in der Region führen dazu, dass vermehrt Flüchtlinge die lebensgefährliche Flucht über die Ägäis auf sich nehmen um in Europa Schutz zu finden. In der angeregten Diskussion gab es viele Nachfragen und Prof. Werner Ruf vertiefte die
Informationen zu einzelnen Aspekten. Es war ein äußerst informativer und kurzweiliger Abend.

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