bunt statt braun

11167961_799717790105177_8834366565820087124_oMillionen Menschen sind auf der Flucht. Deutschland – weitgehender Profiteur oder zumindest scheinbar resistent gegenüber dem wirtschaftlichen Niedergang in weiten Teilen Europas und der Welt – ist in einer besonderen Verantwortung. Nicht nur, dass deutsche Allmachtsphantasien im 2. Weltkrieg und im Holocaust aber Millionen Menschen das Leben kosteten auch die Wiedervereinigung müsste das wirtschaftlich gesunde Deutschland in eine besondere Dankbarkeit gegenüber der Weltgemeinschaft bringen. Auch Deutsche waren auf der Flucht und fanden in der Not Hilfe in anderen Ländern. Schon immer profitierten Gesellschaften durch den Zuzug anderer Menschen. Die gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen sollten also nicht als Bedrohung sondern als Chance verstanden werden.

Hier vor Ort im Kreis Bad Hersfeld Rotenburg muss wie in anderen Teilen der Republik den aktuellen Völkerwanderungen Rechnung getragen werden, nicht weil wir hier Nabel der Welt sind, nicht weil einer der ersten Antisemiten im Deutschen Reichstag ein Hersfelder war, nicht weil in Hersfeld die Nazis die sogenannte „Progromnacht“ einen Tag eher auf ihre gesellschaftliche Akzeptanz „erfolgreich“ probierten…
Bad Hersfeld-Rotenburg muss wie andere Landkreise, Städte und Gemeinden aus rechtlichen aber vor allem humanitären Gründen Flüchtlinge aufnehmen.

Doch nicht isolierte Gettos – wie die bis heute in Bad Hersfeld bestehende Sinti-Siedlung – sind Rezept der Zeit. Auch dann wenn Erst-Aufnahme-Unterkünfte unweigerlich zentral angelegt sind muss es Ziel sein die Flüchtlinge schnellst möglich in der Mitte der Gesellschaft aufzunehmen.

Willkommenskultur ist das Stichwort. Um diese entstehen zu lassen muss den Menschen hier in Bad Hersfeld Angst genommen werden, Vorurteile müssen verschwinden und vor allem gilt es Offenheit zu entwickeln, für Menschen in Not.

Eine wichtige Grundlage ist: Ob Verfolgung, Folter, Krieg oder Armut Ursache für die Menschen war sich auf den Weg hier her zu machen ist völlig egal. Es war in keinem Fall ein einfacher Schritt, tausende Kilometer unter teils unmenschlichen Umständen hier her zu reisen. Und selbst wenn es nicht Gewalt war die diese Menschen hier her brachte sollte ihnen mit Würde und Gastfreundschaft begegnet werden, denn sie vermissen das was wir haben: ihre Heimat und oft auch ihre Familie. Menschen die nun die Ankunft von Flüchtlingen mit Begriffen wie „Heimatschutz“ miesreden, sind aufzuklären.

Die Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg hat wie erst die Tage die Hessenschau zeigte vorbildliche Integrationsinitiativen für junge Flüchtlinge eingerichtet. In vielen Handwerksberufen herrscht nämlich Nachwuchsmangel. Die deutsche Gesellschaft überaltert. Dem demografischen Wandel kann und muss durch Integration von Flüchtlingen entgegnet werden. Nicht nur gut ausgebildete Fachkräfte sollten hierzulande willkommen geheißen werden. Im Zweifel schwächt deren Abzug sogar weiter die Wirtschaftleistung ihrer Herkunftsländer. Die hier eingetroffenen und in kommenden Jahren eintreffenden Menschen können unsere Gesellschaft bereichern. Wer Angst um seine Rente hat muss Flüchtlinge begrüßen.

Wer dies weiß und dennoch Flüchtlinge in ihre Herkunftsländer zurück schicken möchte muss gefragt werden, ob dies nicht schlicht rassistisch motiviert ist. Ist das der Fall kommen wir zum großen Knackpunkt der Diskussion.

„Bunt statt braun“ ist unsere Antwort. Wir wollen Vielfalt zulassen und fördern. Wir wollen eine Gesellschaft die sich nicht abschottet, sondern der unweigerlich kommenden multikulturellen Entwicklung offen begegnet. Dies ist ohne Zweifel keine einfache Aufgabe. Es wird da wo Kulturen aufeinander treffen immer zu Missverständnissen kommen. Doch diese gilt es aufzulösen. Dialogbereitschaft und offenes Aufeinander zu gehen wollen wir fördern.

Ein Schritt ist, dass sich der „Runde Tisch für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit“ seines vielleicht abgeschottet wirkenden Namens entledigt. „Bunt statt braun“ soll nämlich kein Kreis elitären intellektuellen Austausches sein. Inhaltliche Auseinandersetzung soll weiterhin in einem breiten Bündnis gesellschaftlicher Gruppen stattfinden. Es sollen aber zudem ungebundene Menschen dazu stoßen und sich einbringen dürfen.

„Bunt statt braun“ soll aber auch praktische Hilfe für Asylbewerber und Flüchtlinge geben und initiieren. Dabei gilt es bestehende Ansätze aufzugreifen und zu unterstützten.

„Bunt statt braun“ soll zudem den Themenkomplex Flucht, Asyl und Integration helfen positiv zu besetzen. Braunes Gedankengut soll der Boden entzogen werden, durch Aufklärung, Information und praktische Begegnungen und Hilfe.

„Bunt statt braun“ ist kein neuer Verein und nicht parteipolitisch sondern ein Motto, dem sich alle anschließen können und welches sie mitgestalten können.

Gründungsaufruf von Timo Schadt von der
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes –
Bund der Antifaschisten VVN-BdA Regionalgruppe Osthessen
bei der Gründung von „Bunt statt braun – Bad Hersfeld-Rotenburg“

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